JOY DENALANE


 

Joy Denalane hat deutschen Soul erfunden und damit deutschen Pop geprägt. Sie hat mit Freundeskreis und Max Herre gearbeitet und ihre ganz eigene Stimme gefunden. Viele ihrer Songs sind für die Ewigkeit. Mit ihrem ersten neuen Album seit sechs Jahren macht sie sich auf die Suche nach ihrer Identität – und zeichnet dabei fast beiläufig ein Bild ihrer Heimatstadt Berlin im Hier und Jetzt. Das Berliner Gleisdreieck ist ein seltsamer Fleck in einer sich ständig ändernden Stadt. Ein ewiger Nicht-Ort zwischen Ost und West, mitten in Berlin und gleichzeitig am Rande der Stadt, morbides Brachland zwischen disparaten Welten, voll von Schutt und Schotter und Schatten, auch wenn die große Mauer, die ihn einst vom Potsdamer Platz hinüberwarf, schon lange nicht mehr steht. Für Joy Denalane ist dieser Ort dennoch voller Bedeutung. Hier ist sie aufgewachsen, in der Kurfürstenstraße, die derzeit die ganze Wucht der Veränderung zu spüren bekommt, ihre düstere Vergangenheit aber nur leidlich verbirgt. Hier hat Joy zwischen stillgelegten Bahngleisen gespielt, stets im Gefolge ihrer beiden großen Brüder, die ihr erst Schöneberg und später HipHop gezeigt haben. Hier ist sie geworden, wer sie heute ist: eine von Deutschlands ausdrucksstärksten, einflussreichsten und mithin besten Sängerinnen der letzten 20 Jahre.

Noch mal kurz zur Erinnerung: 1999 nahm Joy Denalane mit Max Herre das Duett “Mit dir” auf. Es erschien auf dem zweiten Album der Gruppe Freundeskreis, “Esperanto”, und war sehr, sehr erfolgreich. Der Rest ist, wie es ein bisschen zu häufig, in Denalanes Fall aber völlig zurecht heißt, Geschichte. Als Teil der FK Allstars half sie mit, das Land der “Liedermacher” nachhaltig zu entkrampfen und deutschsprachigem HipHop und Pop den Weg in jene Selbstverständlichkeit zu ebnen, in der er heute prosperiert. 2002 erschien ihr Debüt “Mamani”, die erste ernstzunehmende Soul-Platte in deutscher Sprache. Es folgten: Zwei weitere Top-10-Alben, “Born & Raised” und “Maureen“. Auftritte in den USA, Frankreich, Südafrika, Japan, England. Kollabos mit unter anderem Common, Bilal, Tweet, Raekwon, Lupe Fiasco, Afrob, Sékou, Gentleman, Megaloh, Chefket, Max Herre und dem MDR-Sinfonieorchester.

Joy Denalane ist durch und durch Musikerin. Ihre Welt ist Klang, Gesang ist ihre Art, Gedanken zu ordnen und Gefühle zu kanalisieren. Auch deswegen hat sie in all den Jahren nie aufgehört, Musik zu schreiben, aufzunehmen und Shows zu spielen. Zuletzt arbeitete sie in New York gemeinsam mit Sway Clarke und ihrem langjährigen Weggefährten Sékou Neblett an einem Album im Stil von Ike & Tina Turner. “Aber das war’s einfach nicht. Also bin ich in mich gegangen und habe mich gefragt: Was sind die Gedanken, die mich gerade wirklich umtreiben? Was habe ich zu sagen? Wer bin ich eigentlich?” Diese Fragen führten sie zurück nach Berlin. Zurück ans Gleisdreieck, das sich plötzlich auch als Symbol lesen ließ: eine Gabelung ins Ungewisse, in die Vergangenheit und die Zukunft.

Wenn in “Gleisdreieck” – der Platte, die nun am Ende dieser “langen Reise” steht – überhaupt eine Gewissheit steckt, dann jene, dass es im Leben keine Gewissheit gibt. Dass ein winziger Moment Jahrzehnte alte Überzeugungen spalten und säuberlich austarierte Konstellationen aus der Balance bringen kann. Dass wir alle verwundbar sind, egal was wir erlebt, getan, erreicht haben. “Ich bin ein tough cookie”, sagt Joy Denalane. “Ich bin in dem Bewusstsein groß geworden, dass ich etwas durchsetzen kann, wenn ich es wirklich will. Dabei habe ich mich immer als unverwundbar empfunden. Ab durch die Mitte, komme was wolle, ich mach’s klar. Inzwischen habe ich gelernt, dass ich jederzeit aus diesem Leben gerissen werden könnte. Das Gefühl der Unverwundbarkeit ist verloren gegangen, und das hört man auf diesem Album. Das mag traurig klingen, aber letztlich ist es vor allem eine Erkenntnis. Die Scheuklappen sind weg.”

Auf dieser Erkenntnis gründen die Songs auf “Gleisdreieck”. Einige von ihnen berühren persönliche Erfahrungen: Tod, Trennung, Neuanfänge, das Muttersein. Andere kommen eher aus der Perspektive einer Beobachterin, die vier Jahrzehnte Berlin und eine entsprechende Menge Irrsinn hat vorbeiziehen sehen. Wieder andere sind Hybride aus Erlebtem und Aufgeschnapptem. Allen gemein aber ist eine lyrische Klarheit, wie sie nicht unbedingt typisch ist für die Klangfanatikerin und Instinktsängerin Joy Denalane. Diese Klarheit wirkt manchmal mondän und gelassen, manchmal fragil und fantastisch. Immer ist sie: direkt und ehrlich. Es ist keine Kulisse mehr zwischen Joy Maureen Denalane aus Kreuzberg 61 und Deutschlands Soul-Diva No. 1, keine Schnörkel und Kapriolen in der Stimme, die notfalls als Auffangnetz herhalten könnten. “Ich habe die Songs diesmal nicht so ausgesungen, bewusst nicht das gesamte Sängerspektrum ausgepackt. Mir waren andere Dinge wichtiger: ein Wort zu transportieren, eine Geschichte zu erzählen und vor allem ein Gefühl zu vermitteln.”
 

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Termine

JOY DENALANE
17.11.2017
Leipzig-Peterskirche
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