MAX HERRE

Sieben Jahre sind vergangen, seit Max Herre auf „Hallo Welt!„ sein eigenes Erbe als wegweisender Musiker und Texter mit den Zeichen der Zeit verband. Die Platte stieg auf Platz eins der Albumcharts ein und erhielt Goldstatus, nach knapp 20 Jahren im Geschäft. Solche Karrieren sind im Rap eigentlich nicht vorgesehen. Bei Herre fühlte es sich natürlich an. Er legte ein (sogar noch erfolgreicheres) „MTV Unplugged„-Album nach und spielte die ganz großen Bühnen. Vor allem aber begab er sich auf die Suche. Auf die Suche nach einem Sound, der ihn selbst überraschen und neu begeistern würde. Auf die Suche nach einem Gefühl der Dringlichkeit. Auf die Suche nach seiner Geschichte. Das Ergebnis dieser Suche ist ATHEN.

Formell folgt das Album der Idee der Reise. Es beginnt mit einem gescheiterten Roadtrip an den Sehnsuchtsort im Süden – der gleichzeitig den Weg öffnet für neue Konstellationen, neue Chancen, neue Anfänge. „Athen war die inhaltliche Klammer. Sie hat mir die Möglichkeit gegeben, mich auf unterschiedlichen Zeitachsen mit der Vergangenheit und dem Jetzt auseinanderzusetzen„, sagt Max Herre, der die Stadt oft besucht hat, das erste mal als kleiner Junge in den achtziger Jahren, als sein Vater dort lebte. Sie ist für ihn Ort des Erlebten und des Erlebens zugleich. Auch wenn nicht alle Songs konkret in Griechenland spielen, so sind sie doch dieser Idee verhaftet: Es geht um das, was vielleicht war, und um das, was hätte sein können. Um die Verbindungen zwischen Generationen und Orten, einzelnen Schicksalen und geteilten Erinnerungen.

Musikalisch bedeutet das auf ATHEN ganz Unterschiedliches. Die introspektive Melancholie von Solange, Frank Ocean oder Jay Z‘s „4:44„ sind relevante Referenzen. Aber die Einflüsse reichen von Cloud-R&B („Villa an der Klippe„ feat. Trettmann) und Gospel-Soul („Das Wenigste„ feat. Joy Denalane) über DDR-Jazzrock („Nachts„) und psychedelischem Soul („Athen„) bis hin zum wehmütigen Disco-Dub einer Grace Jones („17. September„). „Siebzehn„ wiederum ist eine 90s-Rap-Reminiszenz, in der sich Max Herre der eigenen Vaterschaft über eine Spiegelung des Sohn-Seins nähert. Radikal verzichtet Max Herre, sein Produzententeam KAHEDI (Kawamura, Herre, Di Gioia) und Co-Autor Maxim auf offensichtlich Swag-Momente, um Rap neu für sich zu erfinden – vielleicht für eine ganze Generation.

ATHEN ist eine ganz und gar einzigartige Platte: weil sie sich aus Erinnerung speist und dabei radikal frisch klingt. Einer der wichtigsten Musiker dieses Landes hat, nach einem Vierteljahrhundert im Geschäft, die wichtigste Musik seiner Karriere gemacht. Das alleine ist eine kleine Sensation. Dass diese Musik zusätzlich den Weg freimacht für Neues, macht sie noch besonderer.
 

Foto: ⓒ Robbie Lawrence
 

 

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MAX HERRE
11.08.2019
Chemnitz-Wasserschloss Klaffenbach
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